Die Klinge wird nur auf der Fase geschliffen, also auf der abgeschrägten Seite. Der originale Winkel liegt meist zwischen 20 und 25 Grad. Diesen Winkel hältst du beim Feilen konstant, indem du die Feile flach auf die Fase legst und in eine Richtung ziehst, nicht hin und her sägst. Zwei bis drei Züge pro Seite genügen bei leichter Stumpfheit. Zu viel Materialabtrag macht die Klinge dünn und instabil. Die flache Rückseite der Klinge wird nur abgezogen, um den Grat zu entfernen; dort darf kein neuer Winkel entstehen. Ein Grat auf der Rückseite ist die häufigste Ursache dafür, dass eine frisch geschärfte Schere sofort wieder klemmt.

Direkt nach dem Schnitt braucht der Strauch keine Düngergabe. Ein Überangebot an Stickstoff treibt weiche, anfällige Triebe, die Läuse und Mehltau anziehen. Stattdessen den Boden lockern, eine dünne Schicht Kompost auflegen und bei Trockenheit wässern. Erst wenn der Neuaustrieb etwa eine Handlänge erreicht hat, kann eine milde Nachdüngung den Aufbau unterstützen.
Der Grund liegt im Aufbau der Thuja. Junge, grüne Triebe besitzen schlafende Augen, aus denen die Pflanze nach einem Schnitt neu austreiben kann. Ältere, verholzte Bereiche verlieren diese Fähigkeit. Wird bis in dieses alte Holz geschnitten, fehlen die Knospen, aus denen neues Grün entstehen könnte. Die Thuja bildet dann nur noch spärlich oder gar keinen Austrieb. Deshalb gilt: Ein Rückschnitt ist nur so tief möglich, wie grüne, lebende Nadeln vorhanden sind.
Viele Obstbaumbesitzer schneiden ihre Pflaumen und Zwetschgen zu radikal zurück. Das Ergebnis: im nächsten Jahr hängt der Baum voller neuer Triebe, aber kaum Früchte. Der Grund liegt in der Biologie dieser Bäume. Pflaumen und Zwetschgen tragen ihren Ertrag hauptsächlich an ein- und zweijährigen Trieben. Wer diese kurzen Fruchttriebe entfernt, opfert die Ernte des Folgejahres. Auslichten bedeutet daher nicht, den Baum stark zu verjüngen, sondern gezielt Licht ins Kroneninnere zu bringen, ohne die jungen, blühfähigen Triebe zu zerstören.
Thuja ist ein zuverlässiger Nadelbaum für Hecken, doch sie hat eine Eigenschaft, die viele Gartenbesitzer unterschätzen: Sie treibt aus altem Holz kaum oder gar nicht wieder aus. Wer eine Thuja stark zurückschneidet, bis nur noch braune, kahle Zweige übrig bleiben, wird dort in den meisten Fällen keinen neuen Austrieb mehr sehen. Die Pflanze stirbt an dieser Stelle nicht sofort ab, aber sie bleibt dauerhaft kahl. Diese Grenze zwischen grünem und braunem Holz ist der entscheidende Punkt bei jedem Schnitt.
Nach dem Schnitt die Schnittstellen beobachten. Saubere, glatte Wunden am Astring überwallen innerhalb einer Vegetationsperiode. Reißt die Rinde ein oder bildet sich klebriger Gummifluss, war der Schnitt zu spät oder das Werkzeug nicht scharf. Dann im Folgejahr an der gleichen Stelle nicht nachschneiden, sondern den Baum erst beruhigen lassen. Wer diese Reihenfolge einhält, erntet nicht nur regelmäßiger, sondern hält den Baum auch über viele Jahre gesund.
Praktisch ist es, den Rückschnitt in zwei Etappen zu planen: einen leichten Pflegeschnitt im Sommer, wenn ohnehin nur wenig entfernt wird, und den Hauptschnitt im Spätwinter, kurz vor dem Austrieb. So bleibt die Hecke dicht, die Vögel haben außerhalb der Brutzeit ihre Ruhe, und man kommt nicht in Konflikt mit dem Gesetz. Wer diese einfachen Regeln beachtet, hat lange Freude an einer gesunden Hecke und leistet nebenbei einen Beitrag zum Artenschutz.
Ein häufiger Fehler ist der radikale Verjüngungsschnitt. Viele glauben, eine zu groß gewordene Thuja einfach auf die halbe Höhe kürzen zu können, ähnlich wie bei anderen Gehölzen. Das funktioniert bei Thuja nicht. Die Pflanze treibt aus dem alten Holz nicht wieder aus, und die Hecke bekommt dauerhaft braune, kahle Stellen. Besonders problematisch ist das an der Seite, wo die Hecke oft bis zum Stamm zurückgeschnitten wird. Besser ist es, die Hecke von Anfang an regelmäßig und moderat zu formen, damit gar kein tiefes Eingreifen nötig wird.
Was außerhalb der Schonzeit gilt und worauf man achten sollte Zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar ist der starke Rückschnitt grundsätzlich erlaubt. In dieser Zeit sind die meisten Vögel nicht mehr am Brüten, und die Hecke kann auf die gewünschte Höhe und Breite gebracht werden. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Auch im Winter können Tiere in den Gehölzen schlafen oder Schutz suchen. Ein Blick vor dem ersten Schnitt hilft, um keine Igel oder andere Kleintiere zu verletzen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schneidet an frostfreien Tagen und arbeitet mit scharfem Werkzeug, damit die Schnittstellen sauber bleiben und die Pflanze gut verheilt.
Die richtige Grenze erkennen und den Schnitt setzen Vor jedem Schnitt prüft man die Zweige genau. Man sucht die Stelle, an der die grünen Nadeln in den braunen, verholzten Teil übergehen. Nur oberhalb dieser Grenze darf die Schere angesetzt werden. Ein guter Richtwert: Bleibt nach dem Schnitt noch ein kurzer grüner Stummel von einigen Zentimetern stehen, treibt die Thuja zuverlässig wieder aus. Schneidet man dagegen bis auf das nackte, braune Holz zurück, bleibt die Lücke bestehen. Wer unsicher ist, schneidet lieber in zwei Etappen: erst ein Stück, dann nach einigen Wochen nachjustieren, wenn der Austrieb sichtbar ist.