Dieser Vorgang ist kein Zeichen von Krankheit, sondern ein normaler physiologischer Prozess. Der Druck in den Gefäßen entsteht, weil die Wurzeln Wasser pressen, während die Knospen noch nicht austreiben und kaum Wasser verbrauchen. Sobald die ersten Blätter erscheinen und Transpiration einsetzt, lässt der Druck nach und das Bluten stoppt von selbst. Entscheidend ist also der Entwicklungsstand der Rebe, nicht die Menge der austretenden Flüssigkeit.
Prüfen Sie zuerst den Zustand der Schneide. Halten Sie die Schere gegen das Licht und schauen Sie sich die Schneidfase an. Ist sie rund und glänzend statt scharfkantig, fehlt Material. Testen Sie mit einem Stück Zeitungspapier: Ein sauberer Schnitt durch das Papier gelingt nur, wenn die Klinge wirklich scharf ist. Reißen oder knicken die Fasern, ist Schleifen fällig. Achten Sie auch auf Kerben oder Ausbrüche, die durch Draht oder harte Zweige entstanden sind. Solche Schäden lassen sich nur mit einer Feile ausgleichen.
Ein häufiger Fehler ist das Schleifen mit zu grobem Werkzeug. Eine grobe Feile hinterlässt Riefen, die den Schnitt rau machen. Ebenso falsch ist es, die Schere im geschlossenen Zustand zu schärfen – dabei wird die Gegenklinge beschädigt. Wer die Schere nur abzieht, ohne die Fase nachzuarbeiten, erzielt keine dauerhafte Schärfe. Und schließlich: Reinigen Sie die Schere nach jedem Einsatz von Pflanzensaft und Erde. Harz und Schmutz setzen sich in die Schraube und erhöhen den Verschleiß. Mit einer regelmäßigen Pflege bleibt die Schere Jahre lang einsatzfähig und schneidet sauber statt zu quetschen.
Ein häufiger Fehler ist, nur die eine Klinge zu schärfen. Bei Bypass-Scheren schneidet die obere Klinge an einer festen unteren vorbei. Ist nur die obere scharf, wird das Material gegen die untere gedrückt und gequetscht. Auch die Gegenschneide braucht ab und zu einen kurzen Feilenzug, allerdings im gleichen Winkel. Bei Amboss-Scheren liegt das Messer auf einem Amboss auf; hier wird nur das Messer geschärft, der Amboss bleibt glatt und wird höchstens entgratet. Wer hier falsch rangeht, ruiniert die Schneidleistung dauerhaft.
Problematisch wird es, wenn die austretende Flüssigkeit schleimig, trüb oder faulig riecht. Dann kann eine bakterielle Infektion im Holz vorliegen, oft begünstigt durch Schnitte bei nasskalter Witterung. Auch wenn das Bluten über viele Wochen nicht nachlässt und die Knospen sich nicht entwickeln, sollte man genauer hinsehen. In solchen Fällen hilft es, betroffene Schnittstellen mit einem sauberen, scharfen Messer nachzuschneiden und das Holz auf Verfärbungen zu prüfen.

Für den Hobbygärtner reicht es, den Verlauf zu beobachten. Notieren, wann das Bluten begann, wie lange es anhielt und ob sich die Knospen normal entwickelten. Diese einfachen Aufzeichnungen helfen im nächsten Jahr, den richtigen Schnittzeitpunkt zu finden. Wer regelmäßig erst nach dem Ende stärkerer Fröste schneidet, verhindert nicht das Bluten, aber er verringert das Risiko von Frostschäden an den offenen Stellen. Letztlich gilt: Ein blutender Rebstock ist im Frühjahr meist ein Zeichen dafür, dass die Pflanze lebt und arbeitet – nicht, dass sie krank ist.
Wenn im zeitigen Frühjahr aus Schnittwunden am Rebstock klare Flüssigkeit austritt, spricht man vom Bluten der Rebe. Der Austritt beginnt meist, sobald der Boden sich auf etwa acht bis zehn Grad erwärmt hat und die Wurzeln wieder aktiv Wasser aufnehmen. Da die Leitungsbahnen im Holz durch den Winterschnitt geöffnet sind, sucht sich das Wasser einen Weg nach außen. Tropfen fallen dann von den Schnittstellen, manchmal über Tage, manchmal über Wochen.
Die richtige Technik beginnt vor dem ersten Schnitt. Leiter aufstellen, Füße sichern, dann prüfen: Erreicht die Hand die Schnittstelle, ohne dass der Arm vollständig gestreckt ist? Wenn nicht, Leiter versetzen. Beim Schneiden selbst bleibt der Oberkörper ruhig, die Bewegung kommt aus dem Arm und der Hüfte, nicht aus einem Verrenken. Wer auf einer Leiter arbeitet, sollte immer eine Hand für den Halt frei haben – oder sich mit den Knien abstützen, wenn beide Hände gebraucht werden.
Zunächst prüfen, ob die Schere überhaupt nachgeschärft werden muss. Ein einfacher Test: Einen einjährigen Zweig von etwa fünf Millimetern Durchmesser schneiden. Bleibt die Schnittfläche weiß und glatt, ist alles in Ordnung. Zeigt sie faserige Ränder, einen braunen Streifen oder ist der Zweig eingedrückt statt durchtrennt, ist die Klinge stumpf oder das Spiel zu groß. Auch ein quietschendes Geräusch beim Schließen deutet auf Handlungsbedarf hin.
Wer regelmäßig auf Astring schneidet, hält die Wunden klein und die Krone gesund. Kontrolliert man jeden Schnitt am Kragen, statt blind zu sägen, sinkt der Pflegeaufwand langfristig. Der Baum dankt den genauen Ansatz mit schnellem Überwallen und einer stabilen Struktur. Der Wulst am Astansatz ist dabei keine Nebensache, sondern die eigentliche Schnittgrenze.