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Zuerst weichen alle Triebe, die nach innen wachsen. Diese sogenannten Wasserreiser stehen steil nach oben, treiben kaum Blüten und verdunkeln das Kroneninnere. Man erkennt sie daran, dass sie fast senkrecht aus einem stärkeren Ast schießen und wenig Seitenverzweigung zeigen. Schneide sie direkt am Ansatz ab, ohne einen Stummel zu lassen. Ebenso entfernt man Äste, die sich kreuzen oder aneinander reiben, denn jede Wunde ist eine Eintrittspforte für den Obstbaumkrebs.

Eine Schere lässt sich mit einer Feile in zwei Minuten nachziehen. Eine Säge verlangt mehr Aufwand, weil jeder Zahn einzeln geschärft werden muss. Bei einer Bügelsäge mit grober Zahnung reicht oft eine Rundfeile im passenden Durchmesser. Die Feile wird im gleichen Winkel geführt, in dem der Zahn ursprünglich geschliffen wurde. Zu flach gefeilt, verliert der Zahn seinen Spanraum. Zu steil gefeilt, reißt er aus. Nach fünf bis acht Feilstrichen pro Zahn ist der Grat spürbar. Ein Grat auf der Rückseite zeigt, dass genug Material abgetragen wurde.

Zunächst prüfen, ob die Schere überhaupt nachgeschärft werden muss. Ein einfacher Test: Einen einjährigen Zweig von etwa fünf Millimetern Durchmesser schneiden. Bleibt die Schnittfläche weiß und glatt, ist alles in Ordnung. Zeigt sie faserige Ränder, einen braunen Streifen oder ist der Zweig eingedrückt statt durchtrennt, ist die Klinge stumpf oder das Spiel zu groß. Auch ein quietschendes Geräusch beim Schließen deutet auf Handlungsbedarf hin.

Am Ende kontrolliert man die Krone vom Boden aus: Fällt Licht durch die Mitte, sitzt der Schnitt richtig. Bleibt der Innenraum dunkel, ist weiteres Auslichten nötig – aber frühestens im nächsten Winter. Ein falsch geschnittener Baum treibt zwar wieder aus, doch jede Korrektur kostet Zeit und Fruchtansatz.

Schärfen mit der richtigen Feile Zum Schärfen eignet sich eine Diamantfeile oder eine feine Schärffeile. Die Klinge wird in einem Schraubstock fixiert oder mit der einen Hand festgehalten. Nun die Fase – die abgeschrägte Seite der Schneide – in gleichmäßigem Winkel von etwa zwanzig Grad bearbeiten. Nur in eine Richtung feilen, vom Klingenrücken zur Schneide, nie hin und her. Fünf bis zehn Züge genügen meist. Entscheidend ist, den Winkel konstant zu halten. Ein zu flacher Winkel macht die Schneide dünn und instabil, ein zu steiler macht sie schnell wieder stumpf. Die Rückseite der Klinge wird nur leicht abgezogen, um den Grat zu entfernen. Typischer Fehler: Mit der Flex oder einem Schleifband arbeiten. Die Hitze zerstört das Metallgefüge und macht die Klinge dauerhaft weich.

Ein häufiger Fehler ist das Schärfen mit dem Winkelschleifer oder Schleifband. Die hohe Drehzahl erhitzt den Stahl, das Gefüge verändert sich, und die Schneide verliert ihre Härte. Danach hält keine Schärfe mehr. Ebenso falsch: nur die Spitze schleifen, weil dort die meisten Schnitte erfolgen. Die ganze Klinge muss gleichmäßig geschärft werden, sonst bleibt ein stumpfer Bereich, der weiterhin quetscht. Auch das Ölen der Schere gehört dazu: Ein Tropfen Öl an der Achse und an der Feder verhindert Rost und sorgt für leichtgängigen Lauf.

Beim Schneiden ist eine scharfe Gartenschere wichtig, die saubere Schnitte setzt. Quetschungen am Holz faulen leicht. Die Schnittstelle sollte knapp über einem nach außen zeigenden Auge liegen, damit der neue Trieb nach außen wächst und nicht in die Strauchmitte. Ein häufiger Fehler ist, die Triebspitzen einzukürzen, weil man den Strauch kleiner machen will. Johannisbeeren verzweigen sich dann stark, aber die Fruchtqualität sinkt. Besser ist es, ganze alte Ruten zu entfernen statt überall zu stutzen.

Ein Apfelbaum braucht Licht, sonst bleibt die Krone innen kahl, und die Früchte reifen nur noch außen. Auslichten heißt nicht, wahllos Äste abzusägen, sondern das Holz zu entfernen, das Schatten wirft, krank ist oder andere Triebe bedrängt. Wer das im Winter oder zeitigen Frühjahr macht, solange der Baum ruht, verletzt ihn am wenigsten. Wichtig ist ein trockener, frostfreier Tag, sonst dringen Pilze in die Schnittwunden ein.

Beim Häckseln von Astwerk entsteht Material, das im Garten oft achtlos in die Ecke geworfen wird. Dabei ist es wertvoll: Als Mulchschicht schützt es den Boden, unterdrückt Unkraut und liefert Nährstoffe. Entscheidend ist aber nicht nur, dass geschnitten wird, sondern wann, wie fein und wo das Häckselgut landet. Wer hier zu grob vorgeht oder falsch schichtet, richtet mehr Schaden an als Nutzen.

Beim Sägen gilt: erst auf der Unterseite anritzen, dann von oben durchsägen, damit die Rinde nicht einreißt. Größere Wunden über drei Zentimeter glatt nachschneiden und mit einem Wundverschluss behandeln. Stehen mehrere starke Äste zur Debatte, verteilt man die Eingriffe über zwei bis drei Jahre. So bleibt genügend Laub für die Photosynthese und der Baum erholt sich zwischen den Schnitten.

Was zuerst fällt und was stehen bleibt Als Nächstes kommen alle toten, abgestorbenen und kranken Äste weg. Ein abgestorbener Trieb lässt sich leicht biegen und bricht beim Anritzen trocken; kranke Triebe zeigen eingesunkene Rinde oder violette Verfärbungen. Solche Äste schneidet man bis ins gesunde, hellgrüne Holz zurück. Danach lichtet man die Krone gleichmäßig aus, nicht nur auf einer Seite, sonst kippt die Form und der Baum bildet einseitig neue Triebe.
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