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Steil nach oben wachsende Triebe sind kein Fruchtholz Ein zweiter Kandidat für den Schnitt sind die steil nach oben wachsenden Wasserschosse. Sie wachsen senkrecht aus dem alten Holz, oft mitten in der Krone, und bringen kaum Früchte. Diese Triebe nehmen Licht und Nährstoffe weg, ohne Ertrag zu liefern. Wer sie stehen lässt, bekommt eine dichte, dunkle Krone mit kleinen, sauren Äpfeln. Beim Auslichten werden Wasserschosse an der Basis entfernt, nicht in der Mitte abgeschnitten. Ein Stummel treibt sonst sofort wieder aus.

Bleiben sollen dagegen flach bis leicht schräg wachsende, gut verteilte Fruchtäste. Ein gesunder Apfelbaum trägt an mehrjährigem Holz mit kurzen Fruchtspießen. Solche Äste sind erkennbar an den verdickten, kurzen Trieben mit Blütenknospen. Wer sie entfernt, schneidet die kommende Ernte ab. Auch einjährige, flach wachsende Triebe bleiben, sofern sie Platz haben und nicht in die Krone hineinragen. Ziel ist eine luftige Krone, in die Licht bis ins Innere fällt.

Der richtige Zeitpunkt liegt im späten Winter, etwa ab Ende Februar bis Anfang April, wenn starke Fröste vorbei sind. Ein Schnitt im Herbst schwächt den Baum, weil die Wunden nicht mehr verheilen. Ein weiterer typischer Fehler: zu kurze oder falsch gesetzte Schnitte. Ein Ast wird immer direkt am Stamm oder an einem stärkeren Ast abgesetzt, ohne Stummel. Zu lange Stummel faulen, zu kurze Schnitte verletzen die Asthals-Rinde. Saubere, scharfe Werkzeuge und ein Schnitt knapp über dem Astkragen sind wichtiger als die Menge des entfernten Holzes.

Typische Fehler wiederholen sich: auf der obersten Sprosse stehen, mit einer Hand sägen und mit der anderen die Leiter umklammern, das Schnittgut zwischen den Beinen einklemmen oder die Leiter während des Schnitts mit dem Fuß verschieben. Ebenso unterschätzt wird der Rückschlag, wenn die Säge klemmt und der Körper nach vorn gerissen wird. Deshalb vor jedem Schnitt prüfen, ob das Material frei fällt und ob der Stand auch dann hält, wenn der Widerstand plötzlich wegbricht.

Die häufigsten Gartenhortensien – Bauernhortensien, Tellerhortensien und Eichenblatthortensien – blühen am alten Holz. Ihre Knospen sitzen unsichtbar an den Trieben des Vorjahres. Ein Rückschnitt im Frühjahr entfernt genau diese Knospen. Die Pflanze treibt zwar kräftig aus, bildet aber kaum Blüten. Bei diesen Sorten ist der richtige Zeitpunkt direkt nach der Blüte im Spätsommer. Dann werden nur die verblühten Blütenstände und schwache Triebe entfernt. Ein starker Rückschnitt auf wenige Augen ist ein typischer Fehler und kostet die nächste Blüte.

Einmal tragende Sorten: Ruten nach der Ernte bodennah entfernen Bei einmal tragenden Himbeeren wachsen im ersten Jahr neue Ruten, die noch keine Früchte tragen. Im zweiten Jahr bilden diese Ruten Seitentriebe mit Blüten und Früchten. Nach der Ernte im Sommer sterben die abgetragenen Ruten ab. Der Schnitt erfolgt direkt nach der Ernte: Alle Ruten, die Früchte getragen haben, werden bodennah abgeschnitten. Die jungen, grünen Ruten bleiben stehen – sie sind die Basis für die nächste Saison. Ein häufiger Fehler ist, alle Ruten gleichzeitig zu kürzen. Wer im Sommer alles abschneidet, entfernt auch die jungen Ruten und verliert die Ernte des Folgejahres.

Ein typischer Fehler bei zweimal tragenden Sorten ist der Schnitt im Frühjahr. Wer im März alle Ruten auf den Boden setzt, zerstört die bereits angelegten Blüten für die Herbsternte. Ein weiterer Fehler: Das Stehenlassen alter Ruten über mehrere Jahre. Zweimal tragende Himbeeren verlieren an Vitalität, wenn die Ruten zu alt werden. Spätestens nach der zweiten Ernte müssen sie weg. Wer unsicher ist, ob eine Sorte einmal oder zweimal trägt, beobachtet ein Jahr lang: Bilden sich im Herbst Früchte an den Rutenenden, handelt es sich um eine zweimal tragende Sorte.

Ein zweiter Fehler: Zu spätes Schneiden. Bleiben die alten Ruten bis in den Herbst stehen, behindern sie Licht und Luft für die jungen Triebe. Das fördert Pilzkrankheiten und mindert den Ertrag. Nach dem Schnitt sollten die jungen Ruten einen Abstand von etwa 15 bis 20 Zentimetern haben. Zu dichte Bestände werden ausgedünnt, indem die schwächsten Ruten entfernt werden.

imageWer das Bluten begrenzen möchte, sollte den Winterschnitt möglichst spät im Winter, aber noch vor dem Austrieb erledigen. Je näher der Schnitt am Austrieb liegt, desto kürzer ist die Zeitspanne, in der Saft austreten kann. Große Schnittwunden lassen sich mit einem sauberen, scharfen Schnitt so setzen, dass das Kambium nicht gequetscht wird. Ein glatter Schnitt verheilt schneller als eine ausgefranste Wunde. Das Werkzeug sollte vor jedem Stock desinfiziert werden, um Krankheitserreger nicht zu verschleppen.

Es gibt zwei sinnvolle Wege im Umgang mit Wassertrieben. Der erste ist das Entfernen: Man schneidet sie im Sommer, etwa Ende Juni bis Juli, direkt am Ansatz ab. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch weich und die Wunde heilt schnell. Ein Rückschnitt im Winter regt dagegen oft zu noch mehr Austrieb an, weil der Baum dann wieder mit verstärktem Wachstum antwortet. Der zweite Weg ist das Umleiten: Einen kräftigen Wassertrieb, der an einer guten Stelle steht, bindet man waagerecht oder leicht abwärts und lässt ihn als neuen Fruchtast heranwachsen. Durch das Herunterbinden verliert er seine Spitzenstellung und bildet eher Blütenknospen.
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