Ein häufiger Fehler ist die Messung an nur einer Stelle. Feuchtigkeit verteilt sich ungleichmäßig, besonders in Randzonen oder über Rohrleitungen. Wer nur in der Mitte prüft, übersieht oft die kritischen Bereiche. Ein weiterer Fehler: die Proben zu lange liegen lassen. Der Estrich zieht sofort wieder Feuchtigkeit aus der Luft, das Ergebnis wird zu niedrig. Probe daher zügig entnehmen und sofort verarbeiten. Ebenso falsch ist es, sich auf ein einfaches Feuchtemessgerät mit Widerstandsmessung zu verlassen. Diese Geräte zeigen nur relative Werte und täuschen bei Salzen im Estrich.
Rollen: Den Flor unter warmem Wasser auswaschen, bis das Wasser klar ist. Bei wasserbasierten Farben reicht oft der Strahl aus dem Hahn. Bei hartnäckigen Resten die Rolle auf einer Noppe oder einem Abstreifer ausdrücken, nicht verdrehen – sonst verliert der Flor seine Form. Für lösemittelhaltige Produkte zuerst in einem Behälter mit Reinigungsmittel vorweichen, dann ausspülen. Zum Trocknen die Rolle hochkant stellen, damit die Feuchtigkeit ablaufen kann.
Nach erfolgreicher Trocknung und erneuter Messung kann der Belag verlegt werden. Zwischen Messung und Verlegung sollten keine Arbeiten mit Wasser stattfinden, sonst ist das Ergebnis sofort wieder hinfällig. Wer die Restfeuchte dokumentiert und die Werte vor dem Belegen schriftlich festhält, hat im Streitfall einen Nachweis. Gewölbte Böden sind fast immer vermeidbar, wenn vor dem Belegen gemessen und nicht geschätzt wird.
Bevor überhaupt gemessen wird, muss klar sein, welcher Estrich vorliegt. Zementestrich trocknet langsam und braucht pro Zentimeter Dicke etwa eine Woche, Calciumsulfatestrich deutlich länger. Bei Fußbodenheizung verlängert sich die Trocknungszeit, weil die Wärme die Feuchtigkeit zwar austreibt, aber auch neue Feuchte aus tieferen Schichten nach oben zieht. Ein Blick in das Bautagebuch oder die Bauunterlagen zeigt, wann der Estrich eingebaut wurde. Fehlt diese Information, hilft nur eine Messung.
Typische Fehler entstehen, wenn Handwerker aus Bequemlichkeit nur eine Kartusche kaufen. Silikon in der Fensterlaibung führt dazu, dass der Maler die Fuge nicht sauber überstreichen kann. Acryl in der Dusche saugt Wasser auf, quillt und wird binnen weniger Monate schwarz. Ein weiterer Fehler ist das Verarbeiten auf feuchtem Untergrund: Acryl haftet dann nicht, Silikon bildet keine saubere Haut. Beide Dichtstoffe brauchen einen trockenen, staub- und fettfreien Untergrund. Silikon haftet zudem nicht auf Acryl und umgekehrt – Reste müssen vollständig entfernt werden.
Warum die beiden Stoffe nicht austauschbar sind Acryl härtet durch Verdunsten des Wassers aus und bleibt leicht elastisch, nimmt aber nur begrenzte Bewegungen auf. Es ist überstreichbar, was es für sichtbare Anschlüsse im Innenbereich prädestiniert. Silikon hingegen vernetzt chemisch und bleibt dauerhaft gummielastisch. Es nimmt Dehnungen von Fugen deutlich besser auf und bleibt wasserdicht. Genau diese Eigenschaft macht es unverzichtbar in Nassbereichen. Ein weiterer Unterschied: Acryl kann mit Wasser ausgewaschen werden, Silikon nicht. Deshalb haftet Farbe auf Silikon nur schlecht, während Acryl eine ideale Grundlage für Dispersions- oder Lackfarben bildet.
Messen mit dem CM-Gerät: so geht es richtig Für die Prüfung der Restfeuchte wird ein CM-Gerät verwendet, das nach der Calciumcarbid-Methode arbeitet. Zuerst werden an mehreren Stellen Bohrungen gesetzt, mindestens eine pro angefangene 20 Quadratmeter und zusätzlich in Randbereichen. Die Bohrlöcher müssen bis auf zwei Drittel der Estrichdicke reichen, der Bohrstauub wird sofort entfernt. Anschließend wird die Probe entnommen, gewogen und mit Calciumcarbid in einer Stahlflasche vermischt. Das entstehende Gas erzeugt Druck, der direkt die Restfeuchte in Prozent anzeigt. Wichtig: Die Messung erst durchführen, wenn der Estrich mindestens 28 Tage alt ist. Bei Fußbodenheizung vorher aufheizen und die Messung nach dem Abkühlen wiederholen.
Erst ausgleichen, dann kleb
Gewölbte Böden sind selten ein optisches Problem, sondern fast immer die Folge von Restfeuchte im Estrich. Der Estrich muss vor dem Verlegen des Bodenbelags ausreichend trocknen. Wird zu früh verlegt, staut sich die Feuchtigkeit unter dem Belag. Parkett und Laminat quellen auf, Vinyl wölbt sich an den Nähten, Fliesen lösen sich vom Untergrund. Die Schäden zeigen sich oft erst Wochen nach der Verlegung, wenn die Feuchtigkeit langsam nach oben wandert.
Acryl und Silikon sehen in der Kartusche ähnlich aus, verhalten sich aber völlig unterschiedlich. Wer sie vertauscht, produziert Fugen, die entweder reißen, schimmeln oder sich wieder ablösen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Bewegungsaufnahme und in der Frage, ob die Fuge Wasser ausgesetzt ist. Acryl ist ein Dispersionsdichtstoff auf Wasserbasis, der nach dem Aushärten überstreichbar bleibt. Silikon ist ein elastomerer Dichtstoff, der dauerhaft wasserabweisend und stark dehnbar ist, aber kaum überstrichen werden kann.