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Der zweite Schnitt folgt von oben, wenige Zentimeter weiter außen als der erste. Er trifft genau auf den Kerbschnitt und trennt den Ast vollständig durch. Hier fällt das Holz kontrolliert ab, weil die Unterseite bereits geschwächt ist. Genau an dieser Stelle passiert Anfängern der häufigste Fehler: Sie setzen den oberen Schnitt zu nah am Stamm an. Dann reißt der Ast trotz Kerbe in den Stamm, weil der kurze Stummel kein Eigengewicht mehr hat, das die Fasern sauber brechen lässt.

Nach dem Schnitt ist keine Wundbehandlung nötig. Baumharz, Wachs oder Pasten schaden mehr, als sie nützen, weil sie Feuchtigkeit einschließen und die natürliche Abschottung verzögern. Der Baum bildet selbst einen Wall aus Kallusgewebe, der die Wunde überzieht. Das dauert je nach Art und Wüchsigkeit ein bis drei Jahre. Wichtig ist, den Schnitt bei trockener Witterung auszuführen, nicht bei Frost und nicht in der Saftzeit des Frühjahrs, wenn die Rinde leicht abreißt.

Ausgelichtet wird, nicht geköpft. Entfernt werden ganze Äste, die zu dicht stehen, sich kreuzen oder nach innen wachsen. Ein guter Richtwert: Zwischen zwei Leitästen sollte man eine Handbreit Luft sehen. Steil nach oben wachsende Schosser (Wasserschosse) schneidet man direkt am Ansatz ab, nicht auf kurze Stummel – aus denen treibt der Baum sonst doppelt so stark wieder aus. Alte, abgetragene Fruchtruten erkennt man an kurzen, verkümmerten Jahrestrieben und vielen dürren Zweigen. Sie dürfen weg, aber nur bis zum nächsten kräftigen Seitentrieb.

Die Schnittfläche sollte nicht gestrichen werden, solange sie sauber und glatt ist. Wundverschlussmittel sind nur bei großen Wunden an Obstgehölzen sinnvoll, und auch dort nur dünn. Ein dicker Film behindert die natürliche Abschottung. Typischer Fehler: das großzügige Einschmieren mit Baumwachs, das Feuchtigkeit staut und Fäulnis fördert. Ebenso falsch ist es, alle Triebe gleichzeitig zu kürzen. Wer zu viel auf einmal entfernt, zwingt die Pflanze zu Notaustrieb und schwächt die Fassade für die gesamte Saison.

Astschnitt, der nach dem Rückschnitt von Hecken, Obstbäumen oder Sträuchern anfällt, landet oft auf dem Hänger und wird weggefahren. Dabei lässt sich daraus direkt vor Ort etwas machen: Häckseln und Mulchen. Das reduziert nicht nur das Volumen des Schnittguts um ein Vielfaches, sondern liefert dem Boden auch organisches Material zurück. Wer regelmäßig mulcht, spart langfristig Kompost, Gießwasser und Unkrautarbeit – vorausgesetzt, das Material ist sauber und wird richtig verarbeitet.

Beim Mulchen kommt es auf die Schichtdicke an. Drei bis fünf Zentimeter reichen aus. Dickere Schichten verhindern, dass Luft und Wasser an den Boden kommen, und begünstigen Fäulnis. Direkt an Stämmen und Stängeln einen Abstand von einigen Zentimetern lassen, sonst drohen Fäulnis und Schädlingsbefall. Frischer, feuchter Häcksel sollte nicht sofort in dicken Lagen auf junge Beete, weil er beim Verrotten Stickstoff bindet und den Pflanzen kurzfristig Nährstoffe entzieht. Besser: vorher antrocknen lassen oder mit etwas reifem Kompost mischen. Wer den Mulch dünn und gleichmäßig ausbringt, hält Unkraut zurück, schützt den Boden vor Austrocknung und verbessert die Humusbildung.

Ein Obstbaum trägt nur dort Früchte, wo genug Licht auf die Zweige fällt. Wer regelmäßig schneidet, hält die Krone offen, damit Sonne bis ins Innere gelangt. Ohne Licht bleiben die inneren Knospen schlafend, die Triebe verkahlen, und die Ernte wandert an die Außenkante. Der Schnitt ist also kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Baum überhaupt gleichmäßig trägt.

Bevor der Häcksler angeworfen wird, sollte das Schnittgut sortiert werden. Weiches Material wie Blätter, dünne Triebe und frischer Grünschnitt eignet sich gut für die oberste Mulchschicht, weil es schnell verrottet. Hartes, verholztes Astwerk mit einem Durchmesser von mehr als drei bis vier Zentimetern gehört dagegen nicht ungebrochen auf Beete – es verrottet zu langsam und kann Wurzeln oder Bodentiere stören. Solches Material ist besser für Kompost, Wege oder als Unterschicht unter feinerem Mulch. Wichtig: Kein Schnittgut von kranken Pflanzen oder mit Schädlingen häckseln und auf Beete geben. Pilzsporen und Larven überleben den Häckselvorgang und verteilen sich sonst großflächig im Garten.

Typische Fehler sind schnell gemacht. Dazu gehört, nasses Schnittgut in dicken Klumpen zu verteilen, den Häcksler mit zu langen Ästen zu überfüttern oder krankes Material mit zu verarbeiten. Auch das sofortige Untergraben von frischem Häcksel bringt wenig – er verrottet an der Oberfläche besser und schützt dort den Boden. Wer im Herbst größere Mengen Astschnitt häckselt, sollte das Material nicht komplett auf einmal ausbringen, sondern in mehreren dünnen Schichten über die Saison verteilt. So bleibt der Boden locker, das Bodenleben aktiv und der Garten braucht weniger Pflege.

So wird das Häckseln in der Praxis sauber Ein Häcksler arbeitet am besten mit trockenem, nicht zu langem Material. Frischer Grünschnitt verklebt die Messer und führt zu Stopfern. Deshalb frisches Material ein bis zwei Tage antrocknen lassen, bevor es durch die Maschine geht. Äste vorher grob auf eine handliche Länge kürzen; zu lange Stücke verkanten sich im Einzug. Beim Arbeiten Schutzbrille und Handschuhe tragen, denn der Häcksler schleudert kleines Material mit hoher Geschwindigkeit heraus. Nicht mit den Händen nachschieben – dafür einen Stopfer verwenden. Nach dem Häckseln die Messer prüfen und reinigen, sonst verlieren sie schnell an Schärfe und der Durchsatz sinkt spürbar.image
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