Beim Aufsetzen wird ein Stück Stoff gleicher Art über das Loch gelegt und mit feinen Stichen am Rand befestigt. Zuerst das Loch begradigen: lose Fäden vorsichtig abschneiden, nicht reißen. Dann ein Flickenstück zuschneiden, das an jeder Seite mindestens einen Zentimeter über den Schaden hinausragt. Die Kanten des Flickens leicht ausfransen, damit sie flach aufliegen. Den Flicken mit Stecknadeln fixieren, dabei die Webrichtung des Originalstoffs beachten – sonst entsteht ein sichtbarer Glanzunterschied.
Der doppelt eingeschlagene Saum ist die unsichtbarste und haltbarste Kante, die eine normale Nähmaschine produzieren kann. Er funktioniert an Blusen, Kleidern, Hosen aus leichten bis mittleren Stoffen, an Tischdecken und Servietten. Das Prinzip: Die Stoffkante wird zweimal nach innen gebrochen, sodass die rohe Kante komplett eingeschlossen ist. Genau das macht ihn so robust – es franst nichts aus, und die Naht liegt flach.
Zunächst muss klar sein, wie viel Zugabe wohin gehört. An geraden Seitennähten, Schulternähten und Ärmelnähten sind ein bis eineinhalb Zentimeter üblich. An Rundungen wie Halsausschnitt, Armausschnitt und Kragen reichen meist 0,7 bis 1 Zentimeter, weil sich zu viel Stoff dort nicht sauber einschlagen lässt. Saumkanten am Rock- oder Hosenbein brauchen drei bis fünf Zentimeter, damit später Änderungen möglich bleiben. Reißverschlüsse und Knopfleisten erhalten oft nur 0,5 bis 1 Zentimeter, da hier die Naht direkt an der Kante sitzt.
Warum die Methode wichtiger ist als der Druck Beim Dekatieren wird Leinen unter Hitze und Feuchtigkeit geglättet und geschrumpft. Wer dabei zu stark presst, quetscht die Fasern und erzeugt genau den Abrieb, der später fusselt. Besser ist es, mit mittlerem Druck und mehreren kurzen Durchgängen zu arbeiten als mit einem einzigen, sehr kräftigen. Bei einer Dekatiermaschine sollte die Temperatur im Bereich bleiben, den Leinen verträgt – meist zwischen 150 und 180 Grad, je nach Gewicht. Zu heiße Walzen versengen die oberste Schicht, die dann als feiner Staub abfällt. Ein Blick auf das Gewebe hilft: Leichte Ware braucht weniger Hitze als schweres Leinentuch.
Typische Fehler sind schnell gemacht. Häufig wird der Stoff erst nach dem Zuschnitt gewaschen, dann sind die Teile bereits zu klein. Manche waschen nur einen kleinen Rest, doch das reicht nicht, weil der gesamte Ballen gleichmäßig behandelt werden muss. Ein weiterer Fehler: Den Stoff nach dem Waschen nicht ausreichend ruhen lassen. Er braucht Zeit, um sich zu entspannen und wieder gerade zu liegen. Wer direkt nach dem Trocknen zuschneidet, schneidet in verzogene Fasern. Auch das Bügeln mit zu hoher Temperatur kann empfindliche Fasern schädigen, deshalb lieber niedrig beginnen und testen.
Typische Fehler, die zu starkem Fusseln führen: zu heiß dekatieren, zu trocken arbeiten, den Stoff dehnen, heiß zusammenlegen und sofort weiterverarbeiten. Wer diese Punkte vermeidet, wird feststellen, dass Leinen nach dem Dekatieren nur noch minimal fusselt. Ein Rest von Faserflug ist normal und kein Zeichen falscher Verarbeitung. Mit etwas Geduld und gleichmäßiger Feuchtigkeit bleibt der Stoff glatt, geschmeidig und weitgehend frei von unerwünschtem Flaum.
Wer ein Kleidungsstück oder einen Bezug näht, investiert Zeit und Material. Dass sich der Stoff beim ersten Waschen zusammenzieht, ist kein Gerücht, sondern eine messbare Eigenschaft vieler Gewebe. Dekatieren bedeutet, den Stoff vor dem Zuschnitt so zu behandeln, wie er später gepflegt wird. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert, dass das fertige Teil nach der ersten Reinigung nicht mehr passt. Besonders ärgerlich ist das bei aufwendig verarbeiteten Stücken mit Passform oder bei Vorhängen, die exakt sitzen sollen.
Leinen fusselt beim Dekatieren vor allem dann stark, wenn zu viel mechanische Reibung, zu hohe Temperatur oder zu schnelles Abkühlen im Spiel sind. Wer die Ursachen kennt, kann den Faserflug deutlich reduzieren. Entscheidend sind drei Dinge: die Vorbereitung des Stoffes, die Wahl der Methode und die Ruhephase danach. Leinen verliert beim ersten Waschen und beim ersten Hitzekontakt ohnehin lose Fasern. Das lässt sich nicht ganz verhindern, aber auf ein erträgliches Maß begrenzen.
Nach dem Dekatieren hilft es, den Stoff einmal kräftig, aber kontrolliert auszuschütteln – am besten draußen oder über einer glatten Fläche. So kann loser Staub abfallen, bevor er sich im Gewebe festsetzt. Anschließend mit einer weichen Bürste in Faserrichtung abbürsten, nicht gegen die Webrichtung. Wer einen Trockner nutzt, sollte Leinen nur kurz und bei niedriger Temperatur behandeln; die ständige Bewegung im Trockner ist eine der Hauptquellen für Faserabrieb. Ein Wäschesack reduziert die Reibung zusätzlich.
Ein oft übersehener Punkt ist die Bewegung des Stoffes. Jedes Ziehen und Reißen an den Kanten lockert Fasern. Der Stoff sollte flach aufliegen, ohne Spannung an den Rändern, und nach dem Durchgang nicht sofort auseinandergezogen werden. Auch das Abkühlen will gelernt sein: Leinen, das heiß zusammengelegt wird, reibt beim späteren Auseinanderfalten stark. Lieber flach ausbreiten und langsam auf Raumtemperatur kommen lassen. Wer den Stoff direkt nach dem Dekatieren in den Schrank legt, produziert beim nächsten Anfassen unnötig Flusen.
