Wer Kleidung näht oder online bestellt, scheitert selten am Geschmack, sondern an falschen Zahlen. Maßnehmen am eigenen Körper ist keine Kunst, verlangt aber Sorgfalt. Ein Zentimeter zu viel oder zu wenig entscheidet darüber, ob ein Oberteil spannt oder schlabbert. Die folgenden vier Werte sind die Grundlage jeder passenden Schnittgröße.
Warum drei Messungen an verschiedenen Tagen sinnvoll sind Der Hüftumfang wird an der breitesten Stelle des Gesäßes erfasst, etwa eine Handbreit unter dem Beckenknochen. Dieses Maß ist entscheidend für Hosen und Röcke. Viele messen zu hoch und wundern sich, dass die Hose am Po nicht sitzt. Ein weiterer zentraler Wert ist die Rückenlänge, gemessen vom Halswirbel bis zur Taille. Sie bestimmt, wo ein Schnittmuster die Taille ansetzt. Wer hier schätzt, produziert Oberteile, die entweder zu kurz oder zu lang sind. Alle vier Werte gehören in eine Tabelle, nicht in den Kopf.

Typische Fehler wiederholen sich. Das Maßband wird schräg gehalten, sitzt zu locker oder wird mit Spannung um den Körper gezogen. Auch das Messen über dicker Kleidung oder in gebückter Haltung verfälscht die Werte. Wer allein misst, sollte vor einem Spiegel arbeiten und die Zahlen notieren, statt sie sich zu merken. Noch zuverlässiger ist eine zweite Person, die das Band führt. Zwischen zwei Messungen an unterschiedlichen Tagen können die Werte um ein bis zwei Zentimeter schwanken. Deshalb ist es sinnvoll, drei Messungen durchzuführen und den Mittelwert zu verwenden.
Begonnen wird mit dem Brustumfang. Das Maßband läuft waagerecht um die stärkste Stelle der Brust, unter den Achseln hindurch und über das Schulterblatt. Wichtig: aufrecht stehen, normal atmen, nicht die Luft anhalten. Das Band darf anliegen, aber nicht einschneiden. Ein häufiger Fehler ist das Messen über einen gepolsterten BH oder ein dickes Shirt. Beides verfälscht das Ergebnis um mehrere Zentimeter. Für den Taillenumfang wird die schmalste Stelle zwischen Rippenbogen und Becken gemessen, meist knapp über dem Bauchnabel. Auch hier gilt: nicht den Bauch einziehen.
Die beiden hinteren Stoffstücke werden zuerst an einer Längskante versäubert und gebügelt. Wer hier spart, sieht nach der ersten Wäsche ausgefranste Kanten. Anschließend schlägt man diese Kante zweimal ein, näht sie knappkantig fest und bügelt sie flach. Erst danach legt man die drei Teile rechts auf rechts zusammen, fixiert sie mit Nadeln und steppt einmal rundherum. Der entscheidende Punkt: Die beiden hinteren Teile müssen sich in der Mitte deutlich überlappen, nicht nur wenige Zentimeter.
Die richtige Überlappung vermeidet das Aufklaffen Für einen zuverlässigen Halt überlappen sich die beiden Rückenteile um mindestens 15 Zentimeter, bei dickeren Innenkissen oder glattem Stoff besser 20 Zentimeter. Die Formel für den Zuschnitt lautet: fertige Kissenbreite plus zweimal Nahtzugabe (je nach Stoff 1 bis 1,5 Zentimeter) für die Breite, und fertige Kissenlänge plus zwei Zentimeter für die Einschlagkanten plus zweimal Nahtzugabe für die Länge. Ein 50 mal 50 Zentimeter großes Kissen braucht also bei 1,5 Zentimeter Nahtzugabe rund 53 Zentimeter in der Breite und mindestens 56 Zentimeter in der Länge — aufgeteilt in ein vorderes Teil und zwei hintere Teile, die zusammen die Länge ergeben.
Zunächst muss klar sein, wie viel Zugabe wohin gehört. An geraden Seitennähten, Schulternähten und Ärmelnähten sind ein bis eineinhalb Zentimeter üblich. An Rundungen wie Halsausschnitt, Armausschnitt und Kragen reichen meist 0,7 bis 1 Zentimeter, weil sich zu viel Stoff dort nicht sauber einschlagen lässt. Saumkanten am Rock- oder Hosenbein brauchen drei bis fünf Zentimeter, damit später Änderungen möglich bleiben. Reißverschlüsse und Knopfleisten erhalten oft nur 0,5 bis 1 Zentimeter, da hier die Naht direkt an der Kante sitzt.
Ist die Hülle fertig genäht, wird sie durch die Öffnung gewendet, die Ecken vorsichtig mit einer stumpfen Nadel herausgedrückt und das Ganze noch einmal gründlich gebügelt. Der Hotelverschluss hält ohne weitere Hilfsmittel, solange das Innenkissen die Überlappung stabilisiert. Bei sehr glattem Stoff wie Satin empfiehlt es sich, die Überlappung auf 25 Zentimeter zu vergrößern oder die Kanten mit einem leichten Vlies zu verstärken. So sitzt die Hülle dauerhaft straff und rutscht nicht heraus.
Typische Fehler sind schnell benannt. Viele nähen den Hotelverschluss ohne vorheriges Bügeln der Kanten — das Ergebnis wirft Falten. Andere vergessen, die Ecken vor dem Wenden abzuschrägen, sodass die Ecken nach dem Wenden dick und unsauber aussehen. Ein weiterer Klassiker: Die Nahtzugabe wird nur an einer Seite exakt eingehalten, wodurch die Hülle schief wird. Und wer den Überlappungsbereich zu schmal wählt, muss das Kissen nach jedem Aufziehen neu hineinfummeln.
Aus den ermittelten Werten wird schließlich die Schnittgröße abgeleitet. Die meisten Konfektionsgrößen richten sich nach dem Brustumfang, bei Hosen nach Taille und Hüfte. Passt kein Wert exakt in eine Größe, entscheidet das Kleidungsstück: Bei einem eng anliegenden Oberteil zählt der Brustumfang, bei einer Hose der Hüftumfang. Wer zwischen zwei Größen liegt, wählt für dehnbare Stoffe die kleinere, für feste Gewebe die größere. Entscheidend ist, die eigenen Maße zu kennen und nicht der Etikettengröße zu vertrauen.