Generell gilt: Lieber eine Probenaht auf einem Reststück nähen, als die Einstellung zu raten. Die richtige Stichlänge ist immer ein Kompromiss aus Haltbarkeit, Optik und Maschinenbelastung. Wer dünne und dicke Lagen abwechselnd verarbeitet, sollte die Einstellung jedes Mal prüfen und nicht auf den letzten Wert vertrauen.
Eine Tischdecke für einen großen Tisch zuzuschneiden ist einfach. Sie sauber zu säumen, ist die eigentliche Arbeit. Zwei Dinge entscheiden über das Ergebnis: eine exakt gerade Kante und eine Briefecke, die flach aufliegt, ohne zu wölben. Wer beides beherrscht, bekommt einen Saum, der auch nach mehreren Wäschen nicht wellt. Der Aufwand lohnt sich, weil die Ecke bei jedem Blick auf den gedeckten Tisch sichtbar ist.
Ein eingerissener Saum an einer Hose, einem Rock oder einem Ärmel ist kein Grund, das Kleidungsstück wegzuwerfen. Entscheidend ist, wie schnell man reagiert. Ein kleiner Riss bleibt nur dann klein, wenn man ihn sofort sichert. Wartet man, wandert der Riss weiter – manchmal innerhalb weniger Stunden, besonders bei dünnen oder elastischen Stoffen. Der Reparaturaufwand vervielfacht sich dann.
Nach der Reparatur das Kleidungsstück von links bügeln, nicht von rechts. So drückt man die Naht flach, ohne sie zu glänzen. Wer den Riss nur oberflächlich mit Klebeband oder Nadel und Faden ohne Stabilisierung schließt, riskiert, dass er nach der ersten Wäsche wieder aufgeht. Die Wäsche ist der Belastungstest schlechthin. Deshalb lieber einmal richtig reparieren als dreimal schnell. Und: Bei sehr dünnen oder stark verschlissenen Stoffen lohnt sich die Reparatur oft nicht mehr – dann ist der Riss nur ein Symptom für das Ende des Materials.
Ein typischer Fehler bei dicken Lagen ist die falsche Nadelwahl. Eine zu dünne Nadel verbiegt sich oder bricht, eine zu dicke Nadel hinterlässt große Einstichlöcher, die den Stoff schwächen. Für schwere Stoffe eignen sich Nadeln der Stärke 90 bis 110, für dünne Stoffe 60 bis 70. Auch der Faden muss zur Stoffdicke passen: Ein feiner Faden in dickem Material reißt schnell, ein dicker Faden in dünnem Stoff hinterlässt sichtbare Spuren.
Ob sich die Mühe lohnt, hängt vom Material und von der Naht ab. Bei festen, griffigen Stoffen wie Baumwollwebware oder Leinen reicht oft ein Stecknadel oder ein kurzer Probestich. Rutschige Stoffe wie Seide, Satin, Kunstfaser oder beschichtete Materialien verzeihen keinen Fehler. Auch bei Karo-, Streifen- und anderen Richtungsmustern ist ein Vorstich sinnvoll, weil jede Verschiebung sofort sichtbar wird. Wer eine exakt sitzende Naht braucht, kommt um das Heften von Hand kaum herum.
Beim Übergang von dünn zu dick – etwa an einer Naht, wo eine Lage endet – sollte die Stichlänge angepasst werden. Wer mitten in der Naht von kurz auf lang umstellt, vermeidet ein Zusammenziehen des Stoffes. Noch besser ist es, die Geschwindigkeit zu reduzieren und langsam über die Kante zu nähen. Ein weiteres Problem sind dicke Nähte an Kanten: Hier hilft es, den Nähfuß leicht anzuheben oder ein Stück Pappe unterzulegen, damit der Transporteur greifen kann. Wer stattdessen mit Gewalt schiebt, riskiert Nadelbruch und Schäden an der Maschine.
Für den Anfang braucht es nicht viel: eine Nähmaschine mit Geradstich, passendes Nähgarn, Stecknadeln oder Klammern, ein Bügeleisen und eine Schneidermatte mit Lineal. Der Stoff sollte nicht zu dick sein. Baumwolle, Leinen, Viskose und leichte Mischgewebe funktionieren gut. Bei festen Jeansstoffen oder Wollwalk wird der Saum schnell zu dick und die Nadel bricht. Wer unsicher ist, testet die Einstellung an einem Reststück. Die Stichlänge liegt meist bei 2,5 bis 3 Millimetern.
Erst bügeln, dann nähen Der wichtigste Schritt passiert vor der Maschine. Die erste Einschlagkante wird etwa einen halben Zentimeter nach innen gebügelt. Danach folgt der zweite Einschlag, meist ein Zentimeter oder etwas mehr, je nach gewünschter Saumbreite. Wichtig ist, dass beide Kanten parallel laufen. Wer hier schludert, sieht jede Unebenheit später von außen. Deshalb: Nach jedem Falten bügeln, nicht nur drüberstreichen. Heftnadeln oder Klammern halten den Saum, bis er unter der Nadel liegt. Besonders an Rundungen, etwa an Ärmeln oder Halsausschnitten, muss der Stoff leicht gedehnt oder eingekräuselt werden, sonst wellt sich die Naht.
Nach dem Abschneiden wird die Ecke gewendet und die Kante mit einem spitzen Gegenstand, etwa einer stumpfen Stricknadel, vorsichtig ausgedrückt. Nicht mit der Schere drücken, das durchsticht den Stoff. Die Ecke wird dann flach gebügelt und mit einer Stecknadel fixiert. Erst wenn alle vier Ecken so vorbereitet sind, geht es an die Nähmaschine. Wer Ecke für Ecke näht und zwischendurch bügelt, verliert weniger Zeit als jemand, der alle Ecken gleichzeitig unter die Nadel schiebt.
Zum Schließen des Risses eignet sich ein einfacher Zickzackstich oder ein elastischer Geradstich. Bei dehnbaren Stoffen – Jersey, Strick – muss der Stich mitmachen, sonst platzt die Naht beim Tragen. Man näht knapp neben der Risskante entlang, ohne den Stoff zu raffen. Ein häufiger Fehler: zu fest ziehen. Der Stoff wellt sich dann, und die Naht ist sichtbar. Besser ist es, mit leichtem Fingergriff zu führen und die Stichlänge moderat zu wählen. Nach dem Nähen die Fäden nicht kurz abschneiden, sondern einige Zentimeter überstehen lassen und später vernähen.