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imageBei jedem Stich wird nur ein kurzes Stück getrennt. Dann wird der Trenner angehoben, neu angesetzt und erneut untergeschoben. Wer in einem Zug eine lange Naht aufreißt, verliert die Kontrolle über die Klinge. Zwischen den einzelnen Schnitten werden die losen Fäden mit der Hand oder einer Pinzette entfernt, damit sie nicht unter die Klinge geraten. Fadenreste, die sich aufrollen, sind die zweithäufigste Ursache für Stoffschäden.

Nicht jeder Stoff muss dekatiert werden. Polyester, Nylon und andere Kunstfasern sind meist formstabil und benötigen nur ein kurzes Dämpfen. Bei Mischgeweben entscheidet der höchste Naturfaseranteil. Wer unsicher ist, wäscht den Stoff so, wie später das fertige Kleidungsstück gewaschen wird. Das ist die sicherste Methode. So lässt sich vorhersehen, wie sich das Material im Alltag verhält.

Biesen sind schmale, erhabene Falten, die in eine glatte Stofffläche eingenäht werden. Sie sitzen meist parallel zueinander und geben Hemden, Blusen, Jacken oder Kissenbezügen eine ruhige, grafische Struktur. Anders als Falten, die nur gelegt werden, werden Biesen mit einer Naht fixiert. Diese Naht ist später von der rechten Seite oft gar nicht oder nur als feine Linie sichtbar – je nachdem, ob man sie vor oder hinter der Biese führt.

Der Fadenlauf ist die Richtung, in der die Kettfäden eines gewebten Stoffes verlaufen. Er verläuft parallel zur Webkante, also zur festen, nicht ausfransenden Seite des Stoffes. Wenn ein Schnittmusterteil mit dem Fadenlauf aufgelegt wird, bedeutet das: Die auf dem Papierteil markierte Linie muss parallel zur Webkante liegen. Wird diese Linie schräg aufgelegt, entsteht ein schiefes Teil. Das fällt beim Zuschneiden oft nicht auf, weil der Stoff flach liegt und die Konturen zunächst stimmen. Erst beim Tragen oder nach dem ersten Waschen zeigt sich die Wirkung.

Den Hosensaum auf die linke Seite umklappen und bügeln. Den abgetrennten Originalsaum rechts auf rechts auf den Hosensaum stecken, sodass die Kanten bündig liegen. Mit einem Geradstich knapp an der ursprünglichen Naht entlang nähen. Dann den Saum nach unten klappen und die Nahtzugabe nach innen einschlagen. Von rechts mit einem unsichtbaren Stich oder mit der Blindstichfunktion der Nähmaschine annähen. Wichtig: Die Naht nicht zu fest ziehen, sonst wellt sich der Stoff.

Ein schräg zugeschnittenes Teil verzieht sich, weil die Elastizität des Gewebes in Richtung der Kett- und Schussfäden unterschiedlich ist. In Richtung des Fadenlaufs ist der Stoff stabil und dehnt sich kaum. Diagonal dazu, im sogenannten schrägen Fadenlauf, ist er dehnbarer und neigt dazu, auszubeulen oder sich zu verdrehen. Ein Ärmel, der schräg zugeschnitten wurde, dreht sich nach dem Einnähen um die eigene Achse. Ein Rockteil hängt schief, eine Hose zieht Falten an der Innennaht. Das passiert nicht, weil falsch genäht wurde, sondern weil die Webrichtung nicht beachtet wurde.

Biesen sind nicht nur Dekoration. Sie stabilisieren große Stoffflächen, weil sie Material raffen und dadurch mehr Stand geben. Bei Hemden und Blusen sitzen sie oft an der Knopfleiste oder als Ziernaht auf der Vorderseite. Wer sie zum ersten Mal näht, sollte mit einer einzelnen Biese beginnen und erst dann mehrere parallele Linien setzen. Die größte Herausforderung bleibt die Gleichmäßigkeit – nicht die Technik. Ein Lineal, ein Kreidestift und eine ruhige Hand sind wichtiger als eine teure Nähmaschine.

Der Winkel entscheidet, nicht die Kraft Die Klinge darf niemals senkrecht zum Stoff stehen. Sie wird in einem flachen Winkel von etwa 20 bis 30 Grad geführt, fast parallel zur Stoffoberfläche. So gleitet die Kugel unter dem Faden entlang, und die Schneide trifft nur den Faden. Ein zu steiler Winkel ist der häufigste Fehler: Die Kugel rutscht über den Faden hinweg, die Klinge gräbt sich in die Webstruktur. Besonders bei dünnen, glatten Stoffen wie Seide oder Viskose reicht ein kurzer Ruck, um eine Laufmasche zu erzeugen.

So prüft man den Fadenlauf vor dem Zuschnitt Die Webkante ist der zuverlässigste Anhaltspunkt. Stoffe, die auf einem Ballen gerollt sind, haben oft keine sichtbare Webkante mehr, weil sie abgeschnitten wurde. Dann hilft ein Blick gegen das Licht: Die Kettfäden verlaufen parallel zueinander und sind meist etwas dichter als die Schussfäden. Zieht man einen einzelnen Faden heraus, zeigt sich die Richtung. Ein weiterer Test: Den Stoff leicht in beide Richtungen dehnen. In Richtung des Fadenlaufs gibt er kaum nach, quer dazu deutlich mehr. Diese Dehnprobe sollte immer vor dem Zuschnitt erfolgen, nicht danach.

Ein weiterer typischer Fehler ist der Einsatz eines stumpfen Nahttrenners. Eine abgenutzte Klinge rutscht statt zu schneiden, und der Anwender erhöht automatisch den Druck. Das Ergebnis sind Druckstellen und gezogene Fäden im Gewebe. Ein Trenner mit beschädigter oder verbogener Kugelspitze ist ebenfalls unbrauchbar, weil die Spitze den Faden nicht mehr sauber untergreift. Vor jedem Einsatz lohnt ein Blick auf die Kugel: Sie muss rund und glatt sein.
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